BÜRGERBRIEF DER GEMEINDE

Die Gemeinde gibt in unregelmäßigen Abständen einen Bürgerbrief heraus. Auf dieser Seite können Sie den zuletzt erschienenen Bürgerbrief herunterladen und im Archiv auf ältere Ausgaben zurückgreifen.

Aktueller Bürgerbrief

Herausgegeben am 26.02.2018
Gemeinde Landsberied

Bürgerbrief

Landsberied, im Februar 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 24.01.2018 mit nur einer Gegenstimme beschlossen, die Trägerschaft für das gemeindliche Kinderhaus „Grünbergzwerge“ an einen freien Träger abzugeben und zusammen mit der Verwaltung die rechtlich vorgesehenen Schritte einzuleiten und die Betriebsträgervereinbarung vorzubereiten.

Nach einem intensiven Auswahlverfahren fiel die Entscheidung auf die FortSchritt gGmbH aus Niederpöcking am Starnberger See. FortSchritt fördert seit 1994 individuell und kompetent Kinder mit und ohne Behinderung in mittlerweile 35 Einrichtungen in sieben oberbayerischen Landkreisen und der Stadt München.

Durch den intensiven Ausbau der Kinderbetreuung in den letzten Jahren in Form von Krippen, Kindergärten und der Nachmittagsbetreuungen für Schulen, ist der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern im Erziehungsbereich enorm gestiegen. Leider liegt die Zahl derjenigen, die jährlich ihre Ausbildung abschließen, weit hinter dem benötigten Bedarf zurück. Gerade im Münchner Umland ist die Situation extrem problematisch. Es wird für uns immer schwieriger, überhaupt Bewerbungen für offene Stellen zu erhalten und die Stellen zu besetzen. Finanziell sind wir an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gebunden und haben wenig bis gar keinen Spielraum, attraktive Angebote zu unterbreiten.

Dazu kommt, dass uns Mitarbeiter durch Kündigung aufgrund sehr kurzer Fristen oder z.B. durch gesetzlich vorgegebene Schutzbestimmungen wegen Schwangerschaft in der täglichen Arbeit von einem Tag auf den anderen ausfallen können. Es besteht keine Möglichkeit, die offenen Stellen kurzfristig neu zu besetzen. Die verbleibenden Mitarbeiter müssen diese zusätzliche Last mittragen und können unter Umständen nicht mehr so intensiv mit den Kindern arbeiten wie gewünscht und notwendig. Ich möchte mich an dieser Stelle bei unseren Mitarbeiterinnen ganz herzlich für ihr außerordentliches Engagement und ihren unentwegten Einsatz, gerade in den Zeiten von Personalmangel, bedanken.

Die Gemeinde Landsberied verfügt nur über ein Kinderhaus. Die Gemeinden im VG-Bereich mit eigenen Einrichtungen, betreiben diese selbständig und es gibt keine Möglichkeit in Notsituationen zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig vorübergehend mit Personal auszuhelfen. Eine Zusammenarbeit ist leider im Augenblick nicht von den anderen Gemeinden gewünscht.

So blieb es uns vor Kurzem leider nicht erspart, vorübergehend Gruppen zu schließen und die Öffnungszeiten zu reduzieren, da aufgrund einer Krankheitswelle und fehlenden Mitarbeitern ein geregelter Betrieb nicht mehr möglich war. Dies war bedauerlicherweise der einzige Weg, da wir ansonsten die Aufsichtspflicht nicht mehr gewährleisten konnten. Herzlichen Dank an die Eltern für ihr Verständnis und Entgegenkommen.

Nach Einführung des Bayerischen Kinderbildungs- und Erziehungsgesetztes 2005 hat sich die Arbeit im Kindergarten grundlegend geändert und die Anforderungen an das Personal sind in vielen Bereichen enorm gestiegen, z.B. durch geforderte Bildungsziele, Elterngespräche, Dokumentationen, Beobachtungen und vieles mehr. Auch der Beratungs- und Gesprächsbedarf zwischen Eltern und Mitarbeitern hat stetig zugenommen, da ja nun bereits Kinder ab einem Jahr zum Teil bis zu neun Stunden täglich bei uns betreut werden. Anders als bei den früheren halbtägigen Einrichtungen ohne Mittagessen, Schlafen und Nachmittagsbetreuung müssen zusätzlich ausgeklüngelte Dienstpläne mit notwendigen Pausenzeiten für das Personal und vieles mehr von der Einrichtungsleitung erarbeitet werden.

Zur angespannten Personalsituation kommt hinzu, dass die notwendige fachliche Beratung und Unterstützung der Leitung und Mitarbeiter weder durch mich, noch durch die VG erfolgen kann. Es ist aber unbedingt erforderlich, dass in Extremsituationen umgehend qualifizierter Beistand für alle zur Verfügung steht. Aber auch in der alltäglichen Arbeit entstehen immer wieder Situationen, die fachlicher Unterstützung bedürfen. Beratungsstellen oder Fortbildungsveranstaltungen bei externen Anbietern können diese Lücken nur unzureichend schließen. Durch die VG Mammendorf werden die reine Personalverwaltung und die finanzielle-, vertragliche und teilweise organisatorische Verwaltung gewährleistet. Eine fachliche Beratung für pädagogische Fragen und Betreuung in organisatorischen Teilbereichen kann nicht erfolgen.

Trotz der Abgabe entscheidet auch in Zukunft der Gemeinderat über die Höhe der Gebühren und Öffnungszeiten. Für das kommende Kinderhausjahr 2018 / 2019 sind keine Gebührenerhöhungen vorgesehen. Der Vorrang bei der Aufnahme für Landsberieder Kinder vor auswärtigen Kindern besteht selbstverständlich wie bisher. Das bestehende pädagogische Konzept und unsere besonderen Angebote werden übernommen, jedoch auch wie bisher, laufend angepasst.

Das Gebäude mit Außenanlagen verbleibt im Eigentum der Gemeinde und wird nur für den Betrieb überlassen. Die Gemeinde ist weiterhin für Unterhalt, Reinigung, Wartung usw. zuständig.

Es ist ebenfalls ausdrücklicher Wunsch des neuen Trägers, das bestehende Personal zu übernehmen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die Mitarbeiterinnen würden von der Gemeinde Landsberied zum neuen Träger wechseln und dürfen dabei bzgl. ihrer Ansprüche nicht schlechter gestellt werden als bisher. Die gesetzlich vorgeschriebenen Schritte zum Betriebsübergang werden derzeit in der Verwaltung vorbereitet. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir alle Mitarbeiterinnen hiervon überzeugen können und sie in Landsberied bleiben.

Bisher wendete die Gemeinde für den laufenden Betrieb des Kinderhauses an Personal-, Betriebs- und Sachkosten jährlich zwischen 140.000 und 190.000 € auf. Dazu kommen noch die Investitionen für Ausstattung und Baumaßnahmen. Vom neuen Träger werden insbesondere alle mit dem Personal zusammenhängende Kosten sowie z.B. Ersatzbeschaffungen übernommen. Als Ausgleich erhält er von der Gemeinde die gesetzlich festgesetzte Betriebskostenförderung sowie die staatlichen Zuschüsse und die Elternbeiträge. Ein mögliches Defizit hieraus geht zu Lasten der Gemeinde. Ebenso ist für Verwaltungsaufwendungen eine zusätzliche Kostenpauschale von 5 % aus den Elternbeiträgen und Zuschüssen kalkuliert.

Bildung kostet und dass sollten uns unsere Kinder wert sein! Wir erhoffen uns durch die Übergabe an einen erfahrenen Träger, dass ihm bei der Personalgewinnung und –betreuung andere Strategien zur Verfügung stehen und durch ihn die fachliche Begleitung auf professionellere Füße gestellt wird. Wir können ein Kinderhaus nicht mehr wie vor 20 Jahren betreiben, die Zeiten haben sich gerade in diesem Bereich gewaltig geändert. Die Ansprüche von gesetzlicher Seite und die Erwartungen der Eltern sind enorm gestiegen.


Andere Kommunen in der VG oder im Landkreis Fürstenfeldbruck sind diesen Weg bereits früher gegangen bzw. haben noch nie eigene kommunale Einrichtungen betrieben.

Ich bedanke mich auf diesem Wege bereits sehr herzlich bei den Eltern, dass sie den geplanten Trägerwechsel sehr positiv aufgenommen haben und die Entscheidung des Gemeinderates befürworten.

Ich freue mich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit FortSchritt für unser Kinderhaus und unsere Kinder.

Ihre

Andrea Schweitzer
1. Bürgermeisterin